Paris Fashion Week

Achtung Fashion Alarm!

Zweimal im Jahr spielt Paris verrückt – im März und im September, wenn die „Prêt-à-porter“-Schauen sind. Mademoiselle Lili weiß, wo die Logenplätze fürs Spektakel sind.


Hast Du eine Einladung für Chanel, Dior, Balenciaga, Louis Vuitton oder Givenchy übrig? Wenn in Paris Fashion Week ist, hat man plötzlich viele Freunde. Alle wollen auch Champagner trinken, Promis gucken und Glamour genießen. Für die, die die Schauen und diversen Cocktail-Events beruflich besuchen müssen, ist die Modewoche purer Stress. Im Stundenrhythmus hetzt man auf schmerzenden High Heels von einer Location zur anderen, im Dauerstau quer durch die Stadt: Meist im Kopf ein bisschen „pompette“, angeschickert, weil man irgendwo um 10 Uhr morgens statt Kaffee Champagner offeriert bekam und chronisch unterzuckert, weil Essen in dieser Branche traditionell aus fingerhutgroßen Guacamole-Portionen oder 1-Crevette-Spießchen besteht. Und selbst diese sind so schwierig zu angeln wie Forellen in der Seine, weil die Kellner mit dem Fliegenden Buffet gar nicht durch das Gedränge kommen. Ihr Mitleid hält sich in Grenzen? Meines auch.

Paris ist ein herrlich schräges Tollhaus zu dieser Zeit und macht eigentlich nur dann so richtig seinem Ruf als Modemetropole alle Ehre. Nur in den Modewochen nämlich kramen die Pariserinnen und Pariser die wirklich glamourösen und extravaganten Outfits aus dem Schrank und machen die ganze Stadt zum Laufsteg. Man muss also gar nicht zum inneren Zirkel der Modeprofis gehören, will man mitfiebern und auf Fotosafari gehen. Als unbeteiligter, stiller Beobachter ist es sowieso viel lustiger und deutlich entspannter. Wo die jeweiligen Schauen stattfinden, erfahren auch die Eingeladenen meist erst einen Tag zuvor, doch wer sich ins Café Le Progrès in der 1 Rue de Bretagne setzt, hat beste Chancen, die aufgerüschten Kolonnen von Fashion Victims zu beobachten, die hier vorbei kommen, um in einer der vielen Locations im 3. Arrondissement ein Défilé zu besuchen. In den temporär umgestalteten Galerien ringsum poppen die Showrooms der Designer auf, in die man auch als Zaungast einen Blick werfen kann. Man hefte sich einfach an die Fersen der schrillsten Vögel und findet sich mit Sicherheit 10 Fußminuten später vor einem Eingangstor wieder, an dem sich kurz vor einer Modenschau Supermodels, Schauspielerinnen oder Möchtegern-beides für eine Fotografenhorde aus aller Welt in Pose schmeißen. Der Stundenplan der Défilés wird übrigens immer einige Wochen zuvor auf www.modeaparis.com veröffentlicht. Und Chanel zeigt seine Show wie immer im Grand Palais. Auch dort ist das Davor oft genauso pompös und durchgedreht wie das, was drinnen passiert. Ach, ich freue mich wieder auf eine schlaflose Woche und Champagner-Diät. Vom 27. September bis 5. Oktober ist es so weit.