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Haute-Couture

Mit Glanz und Gloria

© Adrien Dirand

Christian Dior und Yves Saint Laurent: Wer in Paris diesen Herbst Mode einmal anders erleben möchte, geht nicht shoppen, sondern ins Museum. Auch Mademoiselle Lili hat sich in die Schlange gestellt.

Andy Warhol prophezeite bereits 1975: „Alle großen Kaufhäuser werden Museen, und alle Museen Kaufhäuser.“ Ganz so ist es zwar noch nicht, aber ich erinnere mich noch gut, als vor noch nicht allzu langer Zeit die Frage diskutiert wurde, ob Mode Kunst ist oder nicht. Und ob sie in ein Museum gehört oder in den Altkleidersack. Die Realität hat nun entschieden: Vor dem Pariser Musée des Arts décoratifs, einem Seitenflügel des Louvre, stehen sich täglich bis zu 4000 Besucher die Füße platt, um die Megaschau Christian Dior – Modeschöpfer der Träume zu sehen. Und nahe des Trocaderos bilden sich auch lange Schlangen: Hier hat gerade das neue Yves Saint Laurent Museum eröffnet. Kleiner, intimer und privat finanziert von der Stiftung Pierre Bergé-Yves Saint Laurent. Zu kaufen gibt es hier nichts, zumindest keine Kleider - zu träumen dafür schon. Und viel zu verstehen darüber, wie sich Sehnsüchte in Textilien verwandeln und wie Kleider Zeugen einer Epoche sind.

Die gigantisch inszenierte Dior-Schau zum 70. Geburtstag des Modehauses lässt kein Detail seiner Geschichte aus. Und es ist gerade die Verstrickung von Biografie und 300 Haute-Couture-Modellen, die sie so schön wie lehrreich macht. Gründer Christian Dior war ein Träumer. Aus einer verarmten, großbürgerlichen Familie kommend, träumte er sich in eine vergangene Zeit. Diors „New Look“ war große Mode, aber nicht modern. Während im verwüsteten Nachkriegs-Europa überall Mangel herrschte, schwelgte er in Märchenträumen und schuf verschwenderische Roben wie im Feudalismus. Was die einen unmoralisch, obszön oder reaktionär fanden  - Coco Chanel echauffierte sich: „Diese schweren, steifen Kleider, die nicht einmal in einen Koffer passen, lächerlich“ – schlug ein wie eine Bombe, vor allem bei den Leinwand-Göttinnen in den USA, bei gekrönten Häuptern oder prunksüchtigen Präsidentengattinnen. Nur zehn Jahre lang führte Dior die Geschicke seines Hauses – 1957 starb er frühzeitig an einem Herzinfarkt.

© Adrien Dirand

Modern hingegen war sein Nachfolger Yves Saint Laurent, dessen ebenso elegante wie minimalistischere Entwürfe in die Zukunft weisen. Er nutzte seine Abfindung als Künstlerischer Direktor bei Dior, um sein eigenes Modehaus zu gründen – womit wir in der Nr. 5 der Avenue Marceau sind, sein einstiges Couture-Atelier. Dort, wo Saint Laurent an Kleidern arbeitete, die sich immer wie ein aktueller Kommentar ihrer Zeit lesen, eröffnete jetzt das Yves Saint Laurent Museum. Das Mondrian-Kleid, das zum ersten Mal Kunst und Mode auf direkteste Art kurzschloss, war 1965 der Paukenschlag für den kommerziellen Erfolg des jungen Modehauses. Der androgyne Damen-Smoking von 1966 war ein feministisches Statement vor seiner Zeit. „Mode ist keine Kunst“, soll Saint Laurent einmal gesagt haben. „Aber einen Künstler wie dich, um sie zu schaffen“ daraufhin sein Lebens- und Geschäftspartner Pierre Bergé, der die Eröffnung des Museums nicht mehr erleben durfte. Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen.

© Fondation PB YSL A. Guirklinger