Christian Louboutin

Die Spur der roten Sohlen

Mit einer spektakulären Ausstellung richtet Christian Louboutin die Scheinwerfer auf sich ­– und eines der verkanntesten Monumente von Paris. Mademoiselle Lili ist entzückt.  

Der Palais de la Porte Dorée liegt im äußersten Südosten von Paris, am Stadtwald Bois de Vincennes. Nur wenige Touristen verirren sich hierher und selbst Parisern ist das prachtvolle Art-Déco-Gebäude mit seinen üppigen Wandreliefs aus den 30er Jahren kaum ein Begriff. Erbaut als Museum der Kolonien heißt es heute politisch korrekt Museum der Immigration,  beherbergt neben Artefakten und Kunst aus den ehemaligen französischen Überseegebieten ein großes tropisches Aquarium und nun eine der sehenswertesten Modeausstellungen dieser Saison.  

Christian Louboutin ist der wohl berühmteste Schuhdesigner der Gegenwart und kurz vor dem 30. Geburtstag seiner Marke setzt er sich und dem Aschenputtel unter den Pariser Museen ein Denkmal. „Der Palais de la Porte Dorée ist der Schlüssel zu allem“, sagt er. Als 10-Jähriger besuchte er mit seinen Eltern hier oft das Aquarium, war fasziniert von dem ornamentalen Reichtum der Reliefs, der Wandfresken, der Bodenmosaike und träumte von den fernen Ländern, von denen sie erzählten. Es war ein Verbotsschild mit einem durchgestrichenen hochhackigen Damenschuh, das seine ganze Aufmerksamkeit fesselte: „So einen Schuh hatte ich noch nie an einer Frau gesehen“, erzählt er. Inspiriert von der Zeichnung, fing er zu Hause an, seine ersten Schuhe auf Papier zu skizzieren, ging bei Roger Vivier in die Lehre, um das Handwerk des Schuhmachers von der Pike auf zu lernen. 1987 schließlich formte er seinen ersten Makrelen-Pumps aus Fischhaut – und fotografierte ihn vor einem Aquarium an genau diesem Ort, den er nun zu einem Panoptikum seines Lebens inszeniert.  

In spektakulären, kinoreifen Szenografien – von dem dunklen Saal mit den illuminierten Motivglasfenstern, auf denen die sieben Pfeiler seiner Inspiration, von Kino über Tanz bis Reise, von dem ältesten Handwerksatelier in Paris extra für die Ausstellung angefertigt wurden bis hin zum bhutanischen Theater, auf denen Tanz- und Burlesque-Größen wie Blanca Li und Dita van Teese als geisterhafte 3-D-Hologramme auftreten oder dem Fetisch-Raum, bei dem David Lynch Pate stand, verwandelt Louboutin den Ort seiner Kindheit zu einer ganz persönlichen Wunderkammer und gibt seinen Lieblingskünstlern und -handwerkern eine dramatische Bühne. Auch das Geheimnis seiner berühmten roten Sohlen wird gelüftet: 1992 arbeitete er an einer Pop-Art-Kollektion. Für das Modell „Pensée“ ließ er sich von den „Flowers“ von Andy Warhol inspirieren. Der erste Prototyp in Gelb gefiel ihm nicht, und so griff er nach dem Nagellack seiner Assistentin, um die schwarze Sohle rot zu lackieren. Der Rest ist Geschichte.  

Bis 3. Januar 2021, www.palais-portedoree.fr

© Soulier maquereau datant de 1987 devant laquarium tropical du palais de la porte doree basee sur le visuel d'archive de 1988 Christian Louboutin