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Paris auf Umwegen

© J. Lebar

Auch wenn man noch nie in Paris gewesen ist, fallen einem auf Anhieb mindestens drei Sehenswürdigkeiten ein, die man einmal besuchen möchte. Mademoiselle Lili weiß andere, lohnende Alternativen.

In diesem Jahr ging kulturell nichts an Auguste Rodin, Frankreichs berühmtestem Bildhauer, vorbei. Zu seinem 100. Todesjahr überboten sich die Museen mit Jahrhundertschauen. Das Museum Rodin im 7. Arrondissement ist eine feste Größe auf dem Plan vieler Paris-Besucher. Was kaum einer weiß: Vor den Toren der Stadt, in Meudon, gibt es ein kleines, charmantes Brudermuseum. Vor zwei Jahren inszenierte La Biosthétique in dem Gipsatelier seinen Herbst/Winter-Look. Selbst für passionierte Museumsgänger ist das noch ein blinder Fleck auf der Kulturlandkarte. Das Musée Rodin in Meudon liegt ziemlich hoch auf einem Berg, verschwiegene, steile Treppen führen durch alte Weinstöcke und Kleingartenkolonien. Der weite Blick auf das nicht allzu ferne Paris ist wunderschön. Hier lebte und arbeitete Rodin, im Garten hat der Bildhauer seine letzte Ruhestätte gefunden. Nur wenige Touristen verirren sich in dieses Kleinod, das den Menschen hinter dem bekannten Künstler viel näher bringt: Ist hier doch sein Privathaus zu besichtigen, in dem auch sein Privatsekretär, der deutsche Lyriker Rainer Maria Rilke, lebte. Von den Wandmalereien im Badezimmer bis zu den Möbeln und Geschirr ist noch fast alles im Original erhalten.


© J. de Calan

Eine Schifffahrt auf der Seine gehört zu den anderen touristischen Standards. Zu Recht, schließlich sind die bekanntesten Sehenswürdigkeiten wie Eiffelturm, Louvre oder Notre Dame besonders fotogen vom Wasser aus zu betrachten. Will man jedoch die Menschenmassen vermeiden, lernt man auf einer Fahrt durch die Kanäle der Stadt ihre unbekannteren Seiten kennen. Es geht los am Port de l’Arsenal nahe der Bastille oder am Bassin de la Villette im Nordosten der Stadt. Die Route führt teils durch Schleusen und unterirdische Tunnel in die angesagte Gegend vom Canal Saint Martin oder den futuristischen Parc de la Villette. Auch Pariser lernen dabei ihre Stadt aus ganz neuen Perspektiven kennen.

Nicht schon wieder Montmartre? Sicher, das Viertel über denFlügeln des Moulin Rouge hat seinen Charme. Einen ebenso dörflichen wie charmantenCharakter hat das Viertel Butte-aux-Cailles im Süden der Stadt, nahe der Placed’Italie, nur viel ruhiger. Auf dem 63 Meter hohen Hügel drehten sich einstauch Windmühlen. Diese gibt es nicht mehr, dafür ebenso viele Treppen undschmale, autofreie Gassen, die zum Schlendern und Verirren einladen, nette undgute Restaurants ohne Touristenpreise, ein sehenswertes Art-Deco-Hallenbad, vielStreet Art und kleine Boutiquen. In dem Theater des Cinq Diamants auf dergleichnamigen Straße probten früher übrigens die Tänzerinnen vom „FoliesBergères“.Man sollte versuchen, auf dem Spaziergang einen Blick zu ergattern indie zahlreichen Gartenresidenzen, sogenannte Villas, um zu sehen, wie schön essich dort leben lässt.


© D. Lefranc

Eine Alternative zum Eiffelturm gibt es natürlich auch: Den Turm Montparnasse. Das 210 Meter hohe, schwarze Monstrum ist natürlich nicht so hübsch wie sein filigraner, weltbekannter Bruder – dafür bietet er ebenso erhabene Aussichten und kurze Wartezeiten. Der andere Vorteil: Nirgends lässt sich das berühmte Wahrzeichen von Paris so unverstellt und in ganzer Länge ablichten wie von hier.