Weihnachtsshopping

Die Wünschelroute

Weihnachtsshopping in Paris? In der Hauptstadt der Luxusmarken kann das ein teures Vergnügen werden. Muss aber nicht. Mademoiselle Lili weiß, wo man sich und andere glücklich macht ohne am Jahresanfang pleite zu sein.


Zugegeben, ich bin ein Weihnachtsmuffel. Wegen mir bräuchte es diesen kalendarisch verordneten Kauf- und Schlemmerrausch nicht, doch man kommt ja nicht drum herum. Vor allem, wenn die lieben Großen und Kleinen meines Herzens doch irgendein Geschenk erwarten. Um mich in Stimmung zu bringen, fahre ich am liebsten zu den Galeries Lafayette (40 Boulevard Haussmann). Um deren Schaufensterdekoration wird jedes Jahr ein Riesentamtam gemacht – zu Recht. Sie ist einfach immer spektakulär.  Dieses Jahr geht es thematisch an den Nordpol, zu den Eisbären. Der junge Papierkünstler Lorenzo Papace lässt sie nicht nur in den Vitrinen tanzen, auch der animierte Mega-Weihnachtsbaum unter der Kuppel ist dieses Jahr zum ersten Mal ganz aus weißem Papier. Eine Smartphone-Applikation, in der sich die reale mit der virtuellen Welt kreuzt und es mitten im Kaufhaus schneien lässt, macht die Szenerie zu einer weihnachtlich-poetischen Schnitzeljagd nach dem Eisbären, nicht nach Pokemon.  

Auf der exklusiven Rue Saint-Honoré sind die Preisklassen nach oben offen. Wer auf Marken-Logos auf Taschen, Portemonnaies und Lederaccessoires verzichten kann, der wird in der La Maroquinerie Saint-Honoré (334 rue Saint-Honoré) glücklich. Schöne Designs und feines italienisches Leder zu erschwinglichen Preisen – manche meiner Freundinnen haben schon ein Handtaschen-Sortiment für ein halbes Leben dort herausgeschleppt.

Ein weiterer Geheimtipp, mit dem ich vor allem bei den Redakteurinnen der großen deutschen Modezeitschriften immer eine Punktlandung machen konnte, ist das Schuhgeschäft What For (15 rue vieille du Temple) mitten im Marais. Die ausgefallenen Designs und die gute Qualität der Verarbeitung (ich sage nur: genähte Ledersohlen!!) erinnern nicht von ungefähr an die großen Marken wie Prada, Miu Miu, Marc Jacobs oder Yves Saint Laurent. Der Grund: Das recht junge Label, das erst seit 2013 besteht, produziert in denselben chinesischen Fabriken wie die Luxushäuser. So kommt es, dass es manche Modelle fast genau so aussehen wie die Laufstegtreter der Großen – verändert nur um ein paar Details, etwa zwei Saisons später und viermal günstiger. Der Erfolg folgte auf den Fuß: Heute gibt es bereits drei Boutiquen in Paris und 500 Verkaufspunkte weltweit. 

Ein Paradies für Geschenkinspirationen ist ein paar Schritte weiter das Fleux (39 und 52 Rue Sainte Croix de la Bretonnerie). Schöne Kissen, Plaids, Geschirr, Kerzen, Kleinmöbel und Deko-Ideen ohne Ende, vornehmlich skandinavisches und französisches Design: Hier wird der Interieurliebhaber fündig. Und falls die Sachen zu groß sind, im Koffer mitgenommen zu werden – ein Lieferservice schickt die Einkäufe, wohin man will.    

Ein Klassiker ist mittlerweile Merci: Der große Conceptstore in einem spektakulären Atelier-Hinterhaus (111 Boulevard Beaumarchais) führt von Mode über Möbel und Einrichtungsaccessoires so ziemlich alles – ich persönlich mag besonders die Papeterie-Abteilung im Erdgeschoss, wo man ausgesucht schöne Schreibwaren und kleinere Geschenkideen findet. Und das Beste: Man macht damit nicht nur seine Liebsten glücklich, sondern tut auch noch etwas Gutes: Ein Teil des Verkaufsprofites geht regelmäßig an soziale Projekte in Entwicklungsländern. Ein doppeltes „Danke“ ist somit gewiss.